Verset 204 — Gesundheit und Zufriedenheit
« Gesundheit ist das größte Geschenk, Zufriedenheit der größte Reichtum, Vertrauen die beste Beziehung und Frieden das höchste Glück. »
Praktizieren Sie friedlich
Setzen Sie sich einen Moment hin, schließen Sie die Augen und formulieren Sie gedanklich: « Für die nächsten drei Minuten muss ich nichts aus der Vergangenheit korrigieren, nichts für die Zukunft planen und nichts von der Gegenwart festhalten. » Ruhen Sie in diesem leeren und weiten Raum.
Beim Erwachen, vor jeder Handlung, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Atem und auf die bloße Präsenz des lebendigen Körpers. Formulieren Sie schweigend eine Absicht der Dankbarkeit für diesen verfügbaren Zustand des Gleichgewichts und kultivieren Sie die Zufriedenheit mit dem, was bereits vorhanden ist.
Reflexion und Erklärung
Dieser Vers von absoluter Tiefe weist auf die ultimative Befreiung des Geistes hin: das Ende jeglichen zeitlichen und konzeptuellen Ergreifens. Die Vergangenheit loszulassen bedeutet, die Last von Reue, Nostalgie, Groll und persönlichen Geschichten abzulegen, die uns in unseren eigenen Augen definieren. Die Zukunft loszulassen bedeutet, den Faden der Erwartungen, ängstlichen Vorahnungen und der ewigen Suche nach einem besseren «Später» zu durchtrennen. Noch subtiler ist das Loslassen der Gegenwart, das bedeutet, nicht zu versuchen, die sich vollziehende Erfahrung zu ergreifen oder zu fixieren, sich nicht an den Moment zu klammern, in dem er entsteht. Wenn der Geist aufhört, sich zu projizieren, festzuhalten oder Konzepte über die Zeit zu konstruieren, bricht die Grenze zwischen dem Selbst und der Welt zusammen. Dies ist der Übergang zum «anderen Ufer», zum Erwachen oder Nirvana, befreit vom Kreislauf der Wiedergeburten des Leidens (Samsara). Dieses radikale Loslassen ist kein Nichts oder eine sterile Leere, sondern die Entdeckung des nackten, weiten, leuchtenden und natürlich von allen Fesseln befreiten Bewusstseins.
Dieser Vers bekräftigt, dass wahre Gesundheit über die bloße Abwesenheit von Pathologie hinausgeht: Sie ist der natürliche Zustand eines Organismus und eines Geistes in voller Harmonie. Der Text verbindet Gesundheit untrennbar mit Zufriedenheit (santuṭṭhī). Chronische Unzufriedenheit, der ängstliche Wunsch, etwas anderes zu bekommen, und die Ablehnung der Gegenwart erzeugen eine permanente neurophysiologische Spannung, die die Lebensenergie erschöpft und die regenerativen Funktionen des Körpers beeinträchtigt. Umgekehrt wirkt Zufriedenheit wie ein beruhigender Balsam, der die Reaktivität des Nervensystems senkt und es den internen Selbstregulierungsmechanismen ermöglicht, vollständig zu funktionieren. Sowohl für den Praktizierenden als auch für den Patienten verwandelt die Anerkennung der Gesundheit als das primäre Geschenk die Beziehung zur Pflege: Es geht nicht mehr nur darum, Krankheiten zu bekämpfen, sondern das Feld durch Dankbarkeit und inneren Frieden zu bewässern. Vertrauen wird zur Grundlage der therapeutischen Beziehung, ein sicherer Raum, in dem der Körper seine Abwehrkräfte loslassen kann. Indem dieser Vers den Frieden als höchstes Gut darstellt, erinnert er uns daran, dass das Gleichgewicht des Körpers mit der Beruhigung des Geistes beginnt.