BUDDHA VON MATHURA
BUDDHA VON MATHURA
Was ist die Schule von Mathura?
Es handelt sich nicht um eine Schule im modernen Sinne des Wortes, mit Klassenzimmern, Lehrern und eingeschriebenen Schülern. Die Schule von Mathura ist vor allem eine große künstlerische Strömung und ein Zentrum der Skulpturenproduktion, das sich in der Region Mathura in Nordindien zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. entwickelte. Mathura war damals eine wohlhabende Stadt, die an den Handelsrouten lag, die Nordindien, Zentralasien und das Gangestal miteinander verbanden.
Warum sprechen wir von einer „Schule“?
In der Kunstgeschichte bezeichnet eine „Schule“ oft einen erkennbaren Stil, eine Reihe von Werkstätten, gemeinsame Techniken, Künstler, die in derselben Region arbeiten, einen geteilten künstlerischen Einfluss. So wie man von der Florentiner Schule, der Venezianischen Schule, der Schule von Barbizon spricht, spricht man auch von der Schule von Mathura. Es handelt sich also eher um eine regionale Kunsttradition als um eine Bildungseinrichtung.
Wer arbeitete in Mathura?
Hunderte von Bildhauern, Steinmetzen, Handwerkern und Auftraggebern. Sie schufen Buddhas, Bodhisattvas, hinduistische Gottheiten, Jain-Figuren, Säulen, Reliefs und religiöse Monumente. Mathura war ein riesiges Kunstzentrum, in dem mehrere Religionen koexistierten.
Warum ist Mathura so wichtig?
Weil es einer der Orte ist, an dem die monumentale Darstellung des Buddha in menschlicher Form erscheint. Zuvor wurde der Buddha oft durch den Baum der Erleuchtung, ein Rad, Fußabdrücke oder einen leeren Thron dargestellt. In Mathura wird der Buddha zu einer sichtbaren, majestätischen und identifizierbaren Figur. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Geschichte der buddhistischen Kunst.
Die Merkmale des Mathura-Stils
Vor allem ist der Mathura-Stil ein Stein, der berühmte gesprenkelte rote Sandstein von Mathura. Der Mathura-Stil ist auch eine Körperform: robust, breite Brust, kräftige Schultern, stabile Haltung. Der Buddha wirkt lebendig und geerdet. Das Gesicht – diskretes Lächeln, gelassener Blick, innere Energie. Die Kleidung: Sehr fein. Der Körper bleibt unter dem Gewand sichtbar. Der Gesamteindruck: Kraft, Vitalität, Ausstrahlung. Der Buddha von Mathura ist kein zerbrechlicher Asket. Er ist ein vollkommen erwachtes und vollkommen lebendiges Wesen.
Eine buddhistische Schule?
Nein. Die Schule von Mathura ist keine Denkschule, vergleichbar mit Theravāda, Mahāyāna, Vajrayāna; Zen, Reines Land. Es ist ein künstlerisches Zentrum. Sie diente jedoch als visuelle Unterstützung für mehrere religiöse Traditionen, insbesondere den aufkommenden Mahāyāna-Buddhismus. Die Schule von Mathura beeinflusste: die Gupta-Kunst, Sarnath, Nepal, Zentralasien, einige Regionen Chinas. Viele Historiker sind der Meinung, dass die meisten klassischen Darstellungen des Buddha direkt oder indirekt von den in Mathura geschaffenen Modellen abstammen.
Die Schule von Mathura für Buddhachannel
Mehr als ein künstlerischer Stil war Mathura eines der großen visuellen Laboratorien des alten Buddhismus. In seinen Werkstätten aus rotem Sandstein gaben Generationen von Bildhauern dem Buddha ein menschliches, strahlendes und majestätisches Gesicht. Es war keine philosophische Schule, sondern eine Schule des Sehens: der Ort, an dem die Erleuchtung in Stein Gestalt annahm.
Symbolik
Der Buddha von Mathura drückt die lebendige Präsenz aus: Er ist bereits erwacht, aber immer noch nahe am Menschen. Die spirituelle Energie ist durch seine innere Kraft spürbar und zeigt, dass der Buddha nicht von der Welt losgelöst ist. Er erleuchtet sie. Der Buddha wird zu einem vollendeten Menschen. Der Körper ist harmonisch. Die Erleuchtung lehnt den Körper nicht ab. Sie verklärt ihn. Zum ersten Mal wird der Buddha wirklich sichtbar. Die Botschaft nimmt menschliche Gestalt an.
Aliénor und Alain Delaporte-Digard
Buddhachannel