Tara : Die Mutter der Buddhas und die Energie der Handlung
Die Mutter der Buddhas und die Energie der Handlung
Einleitung: Der Atem des Mitgefühls in Bewegung
Wenn Avalokiteshvara das Antlitz des Mitgefühls ist, das auf die Welt blickt, so ist Tara sein rechter Arm, die Energie, die sich sofort entfaltet, um zu handeln. Im buddhistischen Pantheon ist Tara nicht nur eine sekundäre weibliche Figur; sie ist die «Mutter aller Buddhas», deren Erwachen ein Synonym für Agilität, Schnelligkeit und Furchtlosigkeit ist. Für Buddhachannel bedeutet die Erkundung Taras, die dynamischste und zugänglichste Dimension der spirituellen Praxis anzugehen: den Übergang von der Meditation zur wohlwollenden Handlung.
Teil I: Die Geburt einer Ikone
Die mythische Herkunft Die Legende besagt, dass Tara aus einer Träne Avalokiteshvaras geboren wurde. Als er vom Himmel herab die Unermesslichkeit des Leidens der Wesen im Kreislauf des Samsara betrachtete, rollte eine Träne über seine Wange. Beim Berühren des Bodens verwandelte sich diese Träne in einen See, aus dem ein Lotus spross, und aus dem Herzen dieses Lotus erschien Tara. Diese Geburt unterstreicht eine grundlegende Wahrheit: Mitgefühl, wenn es auf die Spitze getrieben wird, kann nicht passiv bleiben. Es muss Gestalt annehmen, um zu helfen.
Das Gelübde der Prinzessin Yeshe Dawa Eine andere, ältere Tradition erzählt die Geschichte der Prinzessin Yeshe Dawa («Mond der Weisheit»). Nachdem sie ein hohes Maß an Verwirklichung erreicht hatte, schlugen ihr Mönche vor, zu beten, um als Mann wiedergeboren zu werden und ihren Weg zur Erleuchtung fortzusetzen. Sie antwortete mit einem Gelübde, das das spirituelle Patriarchat der damaligen Zeit herausforderte: «Hier gibt es weder Mann noch Frau, weder Selbst noch Person. Da ich die Erleuchtung erlangt habe, werde ich in weiblicher Form bleiben, bis alle Wesen befreit sind.» Dieses Gelübde macht Tara zum ultimativen Symbol der spirituellen Emanzipation.
Teil II: Die 21 Gesichter der Handlung
Eine komplexe Meditationsstruktur Tara beschränkt sich nicht auf eine einzige Form. In tantrischen Texten entfaltet sie sich in 21 verschiedenen Aspekten, von denen jeder einem spezifischen Bedürfnis des Geistes oder der Welt entspricht.
Weiße Tara: Sie verkörpert Langlebigkeit, Heilung und Gelassenheit. Sie ist diejenige, die Krankheiten lindert und das Leben verlängert, um die Praxis zu ermöglichen.
Grüne Tara: Sie ist die Tara der schnellen Handlung. Ihr rechter Fuß ist leicht vorgesetzt, bereit zum Sprung, um zu helfen. Sie schützt vor den acht großen Gefahren (Angst, Stolz, Unwissenheit, Hass, Gier, Eifersucht, Zweifel, Anhaftung).
Die Bedeutung der Gesten (Mudras) In der Ikonographie wird Tara immer mit einem Fuß dargestellt, der nach außen vom Lotus abgesetzt ist, bereit zum Handeln. Ihre rechte Hand ist im Varada Mudra (der Geste des Gebens), was ihren Willen symbolisiert, Errungenschaften zu gewähren, und ihre linke Hand ist im Abhaya Mudra (der Geste des Schutzes), was dem Suchenden versichert, dass er, solange er Wohlwollen kultiviert, geschützt ist.
Teil III: Praxis und Überlieferung heute
Warum ist Tara so modern? In einer Zeit, in der Angst und das Gefühl der Ohnmacht allgegenwärtig sind, bietet Tara ein Modell der «stillen Stärke». Sie lehrt uns, dass gerechtes Handeln nicht aus Unruhe oder Wut entsteht, sondern aus einem vollkommen ruhigen und klaren Herzen. Tara durch ihr Mantra (Om Tare Tuttare Ture Soha) anzurufen, bedeutet, unseren eigenen inneren Rhythmus auf den des universellen Mitgefühls abzustimmen.
Ein Archetyp der Selbstermächtigung Tara ist die Figur, die uns daran erinnert, dass Erleuchtung kein Geschlecht, keine Grenze, keine Hierarchie hat. Sie ist die «Befreierin» (ihr Name kommt von der Wurzel tri, durchqueren). Sie hilft uns, die trüben Gewässer unserer eigenen störenden Emotionen zu durchqueren, um das andere Ufer des Verständnisses zu erreichen.
aliénor und alain delaporte-digard
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